Ûberfall auf Lindisfarne

St. Cuthbert auf Lindisfarne, ein Inselkloster vor der englischen Küste an der Grenze zu Schottland. Es ist der Morgen des 8. Juni 793, als die Mönche im Morgengrauen seltsame Silhouetten über dem Meer wahrnehmen, die sich rasend schnell auf die flachen Sandstrände zubewegen. Langgestreckte Boote werden erkennbar, mit furchterregenden Drachen- und Schlangenköpfen am Bug – und heraus springen schwer bewaffnete Männer, die auf das Kloster zueilen. Es ist, als würden die Krieger direkt aus der Hölle kommen. Gnadenlos überfallen sie die Inselbewohner und töten und erschlagen alles, was sich bewegt. Sie plündern Kirche und Kloster, rauben Kreuze aus Gold und Edelsteinen, Becher, Kandelaber und wertvolle Manuskripte. Die Rui­nen des Klos­ters Lin­dis­far­ne berühmte englische Gelehrte am Hofe Karls des Großen, berichtet uns über den Überfall der Wikinger auf Lindisfarne: "Niemals zuvor brach ein solches Entsetzen über Britannien herein. Die Kirche des Heiligen Cuthbert ist besudelt mit dem Blut der Priester Gottes und all ihre Schätze wurden geraubt."
Der Überfall auf das Kloster St. Cuthbert auf Lindisfarne 793 ist der erste große Raubzug der Wikinger, der durch die Quellen sicher belegt ist. Doch das ist erst der Anfang. Tief ins europäische Binnenland erstrecken sich die Plünderungen der Wikinger in den folgenden drei Jahrhunderten. Wikinger aus Dänemark dringen nach Frankreich und ins südliche England vor. Aus Norwegen kommen Wikinger nach Irland, nach Island, nach Grönland und Nordengland – sogar bis zu den Färöern und den Shetlands dringen sie vor. Wikinger aus dem schwedischen Raum wenden sich in Richtung Osten, wo sie das verzweigte Flusssystem nutzen, um sich in Osteuropa fortzubewegen. Sie kommen nach Nowgorod und Kiew, sie gelangen ans schwarze Meer und sogar bis nach Konstantinopel (das heutige Istanbul).